Herausgeber: Verein Altern mit Zukunft - im Auftrag von Pfizer
Arbeitsgruppe:
Univ. Prof. Dr. Anita Rieder, Dr. Thomas Dorner, Univ. Prof. Dr. Burkhard Gustorff, Mag. Franz Schwarz, Univ. Doz. Dr. Rudolf Likar, Dr. Renate Barker, Dr. Alexander Kober, Kitty Lawrence BEng.
Neuropathischer Schmerz erlangt im Laufe der Zeit den Wert einer eigenständigen Erkrankung. Er ist Leitsymptom oder begleitendes Symptom bei zahlreichen Erkrankungen. Hierzu zählt beispielsweise neuropathischer Schmerz im Rahmen einer diabetischen Polyneuropathie, postherpetischen Neuralgie, Trigeminusneuralgie, bei der multiplen Sklerose, Schmerz nach Nervenläsionen und zentraler Schmerz wie nach Schlaganfall oder nach Rückenmarksverletzungen.
Neuropathischer Schmerz entsteht als Folge von Krankheiten, Funktionsstörungen oder Verletzungen des peripheren oder zentralen Nervensystems. Er kann auch ohne die auslösende Krankheit bestehen bleiben und damit chronisch werden. Durch so genannte plastische Veränderungen im peripheren und zentralen Nervensystem kann der Schmerz mit der Zeit irreversibel werden.
Der Schmerz wird von PatientInnen zwar sehr unterschiedlich beschrieben, hat oft jedoch ähnliche Merkmale wie Brennschmerz, einschießende Schmerzattacken und dumpfes Ziehen. Spontanschmerz gehört ebenso zum neuropathischen Schmerz wie typischerweise auszulösende schmerzhafte Phänomene wie Schmerzhaftigkeit durch normalerweise nicht schmerzhafte Berührung (Allodynie) oder Schmerzüberempfindlichkeit auf Schmerzreize (Hyperalgesie).
Bei einer Medline-Recherche und der Durchsicht internationaler neurologischer Lehrbücher fanden sich keine Angaben zur Inzidenz oder Prävalenz von neuropathischem Schmerz. Ein wichtiger Grund dafür dürfte die Heterogenität der Erkrankung sein. Oft herrscht Uneinigkeit in der Literatur darüber, welchen Syndromen neuropathischer Schmerz zuzuordnen ist. Es gibt einige Untersuchungen zur Epidemiologie von Krankheiten, die mit Neuropathie oder neuropathischem Schmerz einhergehen, bei denen der Anteil an PatientInnen mit neuropathischem Schmerz beschrieben ist.
Für die Quantifizierung des „Neuropathischen Schmerzes“ in Österreich gibt es keine bevölkerungsbezogene epidemiologische Untersuchung. Deshalb ist die Darstellung der Häufigkeit des neuropathischen Schmerz ein „Puzzle“ aus Daten der Krankenhausentlassungsstatistik, Krankenstandstagen, Expertenpanels und Self-reported-morbidity Daten (auf Basis des „Mikrozensus Gesundheit“). Der vorliegende Bericht bietet erstmals eine detaillierte Quantifizierung der Diagnose neuropathischer Schmerz und einen Überblick über dessen Folgen in Österreich. Er zeigt aber auch die Schwierigkeit der epidemiologischen Erfassung der Diagnose neuropathischer Schmerz.