Univ.-Prof. Dr. med. Anita Rieder, Mag. rer. nat. Theres Rathmanner
Inzidenz und Prävalenz des metabolischen Syndroms sind eindeutig Lebensstil-assoziiert, das metabolische Syndrom kann als Vorläufer der in westlichen Industrienationen häufig auftretenden so genannten "Zivilisationskrankheiten", Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 angesehen werden. Das metabolische Syndrom umfasst die Teilfaktoren abdominelle Adipositas, Hypertriglyzeridämie, niedriger HDL-Spiegel, Hypertonie und erhöhter Nüchternblutglukosespiegel (Wilson und Grundy, 2003). Definitionsgemäß liegt ein metabolisches Syndrom dann vor, wenn mindestens drei der genannten Teilfaktoren anzutreffen sind (NCEP, 2002).
In den USA liegt die altersadjustierte Prävalenz des metabolischen Syndroms dem Third National Health and Nutrition Examination Survey zufolge bei 23,7 Prozent und nimmt mit steigendem Alter der Bevölkerung zu (Ford et al., 2002). Für Europa liegen ähnliche Zahlen aus der Bruneck-Studie vor, die in der gleichnamigen nordostitalienischen Stadt durchgeführt wurde: 17,8 Prozent der Bevölkerung hat den NCEP-Kriterien zufolge ein metabolisches Syndrom (Bonora et al., 2003).
Menschen, die ein metabolisches Syndrom entwickelt haben, haben ein erhöhtes Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Alexander et al., 2003). Darüber hinaus ist sowohl die Herz-Kreislauf-Mortalität als auch die Gesamtsterblichkeit bei Patienten mit metabolischem Syndrom erhöht (Lakka et al., 2002).
Als maßgebliche Ursachen für die Entstehung des metabolischen Syndroms werden neben genetischen Faktoren vor allem eine zu hohe Energiezufuhr einerseits und ein zu niedriger Energieverbrauch durch Bewegung andererseits angesehen. Deshalb kommt dem Gewichtsmanagement im Rahmen einer Änderung des Lebensstils sowohl in der Therapie als vor allem auch in der Prävention dieser Stoffwechselstörung eine zentrale Bedeutung zu (Haffner und Taegtmeyer, 2003; NCEP, 2002). Ziel der Primärprävention des metabolischen Syndroms ist die Vermeidung bzw. Verringerung von beeinflussbaren Risikofaktoren, d. h. Vermeidung bzw. Reduktion von Übergewicht und Adipositas sowie die Erhöhung des Ausmaßes an körperlicher Betätigung der Bevölkerung. Die Eindämmung der Ursachen für das metabolische Syndrom stellt das größte Potenzial in der Primärprävention dar (NCEP, 2002).
Eine Reihe von randomisierten Plazebo-kontrollierten Interventionsstudien (Evidenzklasse Ib) zeigte bereits die Wirksamkeit von Lebensstil-Modifikationen in der Prävention des metabolischen Syndroms und seiner Folgeerkrankungen auf (Knowler et al., 2002; McAuley et al., 2002, Tuomilehto et al., 2001; Pan et al., 1997; Torjesen et al., 1997).
Die WHO empfiehlt in ihren Technical Report Series 916 "Diet, Nutrition, and the Prevention of Chronic Diseases" einen geringen Konsum an energiedichten (fett-, zucker- und stärkereichen) und einen hohen Konsum an energiearmen Lebensmitteln, wie beispielsweise Obst, Gemüse und andere ballaststoffreiche Lebensmittel, zur Prävention von Übergewicht und Adipositas. Gleichzeitig spricht sie die Empfehlung eines aktiven Lebensstils aus. Zur Prävention von Übergewicht und Adipositas wird moderate körperliche Aktivität im Ausmaß von einer Stunde pro Tag an den meisten Tagen der Woche empfohlen. Moderate bis intensive Aktivität für mindestens eine Stunde pro Tag an den meisten Tagen der Woche soll in der Prävention von Diabetes mellitus Typ 2 zur Anwendung kommen, während in Bezug auf die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bereits 30 Minuten zumindest moderater Aktivität pro Tag an den meisten Tagen der Woche als ausreichend angesehen wird (WHO, 2003).
Alexander CM, Landsman PB, Teutsch SM, Haffner SM. NCEP-defined metabolic syndrome, diabetes, and prevalence of coronary heart disease among NHANES III participants age 50 years and older. Diabetes 2003; 52:1210-1214.
Bonora E, Kiechl S, Willeit J, Oberhollenzer F, Egger G, Bonadonna RC, Muggeo M. Metabolic syndrome: epidemiology and more extensive phenotypic description. Cross-sectional data from the Bruneck study. Int J Obes 2003; 27:1283-1289.
Ford ES, Giles WH, Dietz WH. Prevalence of the metabolic syndrome among US adults. Findings from the Third National Health and Nutrition Examination Survey. JAMA 2002; 287:356-359.
Haffner S, Taegtmeyer H. Epidemic obesity and the metabolic syndrome. Circulation 2003; 108:1541-1545.
Knowler WC, Barrett-Connor E, Fowler SE, Hamman RF, Lachin JM, Walker EA, Nathan DM; Diabetes Prevention Program Research Group. Reduction in the incidence of type 2 diabetes with lifestyle intervention or metformin. N Engl J Med 2002; 346:393-403.
Lakka HM, Laaksonen DE, Lakka TA, Niskanen LK, Kumpusalo E, Tuomilehto J, Salonen JT. The metabolic syndrome and total and cardiovascular disease mortality in middle-aged men. JAMA 2002; 288:2709-2716.
McAuley KA, Williams SM, Mann JI, Goulding A, Chisholm A, Wilson N, Story G, McLay RT, Haper MJ, Jones IE. Intensive lifestyle changes are necessary to improve insulin sensitivity: a randomized controlled trial. Diabetes Care 2002; 25:445-452.
Pan XR, Li GW, Hu YH, Yang WY, An ZX, Hu ZX et al. Effects of diet and exercise in preventing NIDDM in people with impaired glucose tolerance. The Da Qing IGT and Diabetes Study. Diabetes Care 1997; 20:537-544.
Third report of the National Cholesterol Education Program (NCEP). Expert Panel on detection, evaluation, and treatment of high blood cholesterol in adults (Adult Treatment Panel III): Final report. US Department of Health and Human Services; Public Health Service; National Institutes of Health; National Heart, Lung, and Blood Institute. Circulation 2002; 106:3143-3421.
Torjesen PA, Birkeland KI, Anderssen SA, Hjermann I, Holme I, Urdal P. Lifestyle changes may reverse development of the insulin resistance syndrome. The Oslo Diet and Exercise Study: a randomized trial. Diabetes Care 1997; 20:26-31.
Tuomilehto J, Lindstrom J, Eriksson JG, Valle TT, Hamalainen H, Ilanne-Parikka P et al. Finnish Diabetes Prevention Study Group. Prevention of type 2 diabetes mellitus by changes in lifestyle among subjects with impaired glucose tolerance. N Engl J Med 2001;344:1343-1350.
Wilson PWF, Grundy SM. The metabolic syndrome. A practical guide to origins and treatment: part II. Circulation 2003; 108:1537-1540.
World Health Organization. Diet, nutrition and the prevention of chronic diseases. Report of a Joint WHO/FAO Expert Consultation. WHO, Geneva, 2003.