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Epidemiologie der Osteoporose

Univ.-Prof. Dr. med. Anita Rieder, Mag. rer. nat. Theres Rathmanner


Osteoporose ist eine der Hauptursachen für chronische Erkrankung und Invalidität. In den USA wird die Zahl an Osteoporose-bedingten Brüchen auf 1,3 Milliarden pro Jahr geschätzt, wobei die Hälfte davon auf Wirbelbrüche, ein Viertel auf Hüftfrakturen und ein weiteres Viertel auf Unterarmfrakturen entfallen (Consensus Development Conference, 1993). Als Hauptrisikofaktoren gelten Alter, weibliches Geschlecht und Zugehörigkeit zur kaukasischen Ethnie (Wehren, 2003). In der Personengruppe der über 90-Jährigen sind bei 33% der Frauen und bei 17% der Männer Hüftfrakturen zu beobachten (Melton et al., 1992). In der EU beträgt die altersspezifische Inzidenz für Hüftfrakturen 140/10.000 bei den 80–84-jährigen Frauen und 350/10.000 bei den über 85-jährigen Frauen sowie 110/10.000 bei den gleichaltrigen Männern. Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern mit Hüftfrakturen beträgt 3,71:1 (EU, 1998). 45% aller weißen Frauen im Alter von über 50 Jahren haben einer amerikanischen Erhebung zufolge eine Osteoporose-bedingte verminderte Knochendichte an Hüfte, Wirbelsäule und/oder Unterarm. In dieser Altersgruppe ist das Risiko einer Frau für eine Wirbel- oder Hüftfraktur dreimal, für eine Unterarmfraktur sechsmal so hoch wie für einen Mann (Melton et al., 1992). Frauen afrikanischer Abstammung haben ein weitaus geringeres Risiko für Hüftfrakturen als Kaukasierinnen (Melton et al., 1992). Die Gründe dafür sind zum einen die höhere maximale Knochendichte (Gilsanz et al., 1991) und zum anderen die geringere postmenopausale Knochenabbaurate der Erstgenannten (Meier et al., 1992). Die vermeintlich niedrigere Knochendichte asiatischer im Vergleich zu kaukasischen Frauen scheint mit deren kleineren Körpermaßen zusammenzuhängen. Werden die Körpermaße berücksichtigt, verschwinden die Unterschiede in der Knochendichte (Russel-Aulet et al., 1993, Wang et al., 1997). Darüber hinaus beeinflussen auch Lebensstilfaktoren das Osteoporose-Risiko (Gregg et al., 1998).
In Österreich wurden im Jahr 1995 11.379 Spitalsbehandlungen aufgrund von Osteoporose-bedingten Hüftfrakturen verzeichnet, das sind 79% aller behandelten Hüftfrakturen. 82% der Patienten waren Frauen, wobei die höchste Inzidenz in der Gruppe der über 95-Jährigen Frauen beobachtet wurde (3.000/100.000) (Köck et al., 2001).
Der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt betrug 8,5 bis 27 Tage bei Frauen und 16 bis 23 Tage bei Männern. 778 Patienten mit Hüftfrakturen (6,8%) verstarben während des Krankenhausaufenthaltes (Köck et al., 2001).
Osteoporose-bedingte Frakturen erhöhen das Mortalitätsrisiko. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen wurde eine Odds Ratio von 1,83 ermittelt (Wolinsky et al., 1997), bei Frauen ab 65 Jahren wurde ein 2,4-facher Anstieg der Mortalität nach Hüft- oder Beckenbruch verzeichnet (Browner et al., 1996).
Die Kosten für die Behandlung von Osteoporose-bedingten Knochenbrüchen betrugen im Jahr 1995 in den USA $13,8 Milliarden, von denen 62% auf stationäre Behandlungen, 28% auf die Betreuung in Pflegeheimen und 9% auf ambulante Behandlung entfielen (Ray et al., 1997). In Österreich wurden im selben Jahr ATS 1.043.379.000,– (EUR 75.825.309,–) gesamt beziehungsweise ATS 91.700,– (EUR 6.664,–) pro Patient für Krankenhausaufenthalte nach Hüftfrakturen ausgegeben (Köck et al., 2001).
Für die Zukunft wird aufgrund der demographischen Entwicklung mit einer steigenden Inzidenz für Osteoporose-bedingte Frakturen in der Altersgruppe ab 50 Jahren gerechnet (Köck et al., 2001). In der EU wird ein jährlicher Anstieg der Inzidenz von Hüftfrakturen zwischen 0,5 und 3% erwartet. Die jährliche Anzahl von Oberschenkelfrakturen wird von 414.000 (2000) auf 972.000 im Jahr 2050 ansteigen, was einem Anstieg von 135% entspricht (EU, 1998).

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Literatur


Browner WS, Pressman AR, Nevitt MC, Cummings SR. Mortality following fractures in older women. The study of osteoporotic fractures. Arch Intern Med 1996; 156: 1521-1525.

Consensus Development Conference. Consensus development conference: diagnosis, prophylaxis, and treatment of osteoporosis. Am J Med 1993; 94: 646.

EU. The European Union Report on Osteoporosis – Action for Prevention, 1998.

Gilsanz V, Roe T, Mora S et al. Changes in vertebral bone density in black girls and white girls during childhood and puberty. N Engl J Med 1991; 325: 1597-1600.

Gregg EW, Cauley JA, Seeley DG et al. Physical activity and osteoporotic fracture risk in older women. Study of Osteoporotic Fractures Research Group. Ann Intern Med 1998; 129: 81-88.

Köck CM, Schwappach DL, Niemann FM, Strassmann TJ, Ebner H, Klaushofer K. Incidence and costs of osteoporosis-associated hip fractures in Austria. Wien Klin Wochenschr 2001; 113: 371-377.

Meier D, Luckey M, Wallenstein S et al. Racial differences in pre- and postmenopausal bone homeostasis: association with bone density. J Bone Miner Res 1993; 7: 1181-1189.

Melton LJ, Chrischillles EA, Cooper C, Lane AW, Riggs BL. How many women have osteoporosis? J Bone Miner Res 1992; 7: 1005-1010.

Ray NF, Chan JK, Thamer M, Melton LJ. Medical expenditures for the treatment of osteoporotic fractures in the United States in 1995: report from the National Osteoporosis Foundation. J Bone Miner Res 1997; 12: 24-35.

Russel-Aulet M, Wang J, Thornton JC et al. Bone mineral density and mass in a cross-sectional study of white and Asian women. J Bone Miner Re 1993; 8: 575.

Wang MC, Aguirre M, Bhudhikanok GS, et al. Bone mass and hip axis length in healthy Asian, black, Hispanic, and white America youths. J Bone Miner Res; 12: 1922.

Wehren LE. The epidemiology of osteoporosis and fractures in geriatric medicine. Clin Geriatr Med 2003; 19: 245-258.

Wolinsky FD, Fitzgerald JF, Stump TE. The effect of hip fracture on mortality, hospitalisation, and functional status: a prospective study. Am J Public Health 1997; 87: 398-403.

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