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Epidemiologie der Erkrankungen des Bewegungsapparates

Univ.-Prof. Dr. med. Anita Rieder


Eine aktuelle Studie basierend auf einer Sonderauswertung des Mikrozensus 1999** vergleicht die Großstadt Wien u. a. in Bezug auf selbstberichtete Krankheiten, Beschwerden, Medikamenteneinnahme, Arztbesuche, Gesundheitsverhalten mit ländlichen Regionen und anderen Städten innerhalb Österreichs. Im Folgenden einige markante Ergebnisse in Bezug auf Erkrankungen des Bewegungsapparates:

Der Prozentsatz der Bevölkerung mit "Rücken- und Kreuzschmerzen" steigt mit dem Alter deutlich an. Bei den jüngeren (15–44 Jahre) leiden zwischen 10 und 20 % unter Rücken- und Kreuzschmerzen, bei den über 45-Jährigen steigen diese Prozentsätze auf 35–40 %, vor allem 60-Jährige sind besonders betroffen.

Gelenks-, Muskel- und Nervenschmerzen (Schulter, Arm) sind bei Wienerinnen ab 45 Jahre am häufigsten, im Vergleich zum ländlichen Raum und anderen städtischen Regionen (ca. 18 % der über 60-Jährigen). Die schmerzhaften Beschwerden in "Hüfte und Bein" berichten ebenfalls Wienerinnen und hier vor allem 25–49-Jährige mit Lehr- und Pflichtschulabschluss.
Bei Schulter- und Arm-Lokalisation sind es die über 50-jährigen Frauen in Wien.

Gehbehinderungen sind ebenfalls in Wien für die Älteren eine häufigere Beschwerde als am Land und in anderen Städten (Frauen mit Pflichtschulabschluss und Männer mit berufsbildender Schule (12,6 % und 13,6%)
Gelenkserkrankungen sind ebenfalls die Beschwerde der Wienerinnen über 75 Jahre, wobei Hüfte und Beingelenke beinahe dreimal häufiger betroffen sind als Schulter und Arm (9,5 % und 3,4 %).

Über Gelenksrheumatismus klagen mehr Wiener Männer über 75 Jahre (ca. 3 %) als in anderen Regionen, bei den Frauen überwiegt die ländliche Bevölkerung die Wienerinnen (3,8 % und 3 %).

In Wien ist die Chance, in einem Ambulatorium betreut zu werden, mit einer Erkrankung oder Beschwerde des Bewegungsapparates 1,7fach höher als außerhalb Wiens. Bei rheumatischer Erkrankung ist die Chance, in Wien auch Rheumamedikamente verordnet zu bekommen, am größten, bei chronischem Gelenksrheumatismus ist die Chance für Wiener Frauen 6fach höher, bei chronischen Gelenkserkrankungen für Wiener Männer und Frauen doppelt so groß.

Weiters ist einem wesentlichen sozialen Aspekt zusätzlich Rechnung zu tragen, nämlich dass in Wien der höchste Prozentsatz alleinlebender Menschen registriert wird, besonders auch bei den älteren Menschen. Dieser Umstand impliziert Herausforderungen an das medizinische und soziale System, wenn es um die Betreuung im Falle einer Erkrankung geht oder auch um die Pflege bei im Vergleich noch geringer Pflegebedürftigkeit.

Aber nicht nur die ältere Bevölkerung ist betroffen, sondern auch bereits die Jugendlichen und Kinder. So geht aus dem Wiener Gesundheitsbericht 2002 hervor, dass die häufigsten Befunde bei den Stellungsuntersuchungen Skelett, Muskel und Bindegewebe betreffen (20 %) und bei den Volksschülern ein Drittel Anomalien der Wirbelsäule bei der orthopädischen Untersuchung bieten sowie ein Viertel Bein- und Fußanomalien. Die Hälfte der 6–7-Jährigen hat bereits eine Empfehlung für diesbezügliches Haltungsturnen (Wiener Jugendgesundheitsbericht 2002).

Die volksgesundheitliche Bedeutung der Erkrankungen des Bewegungsapparates ist als enorm anzusehen. Sie gehören österreichweit zu den häufigsten Erkrankungen und Beschwerden und mitverursachen die größte Zahl von Krankenständen und Frühberentungen und die Therapie gehören zu den kostenintensivsten.
Die stationären Aufenthalte aufgrund von Krankheiten der Wirbelsäule und des Rückens betragen in Österreich 3,5 % aller Krankenhausaufenthalte (Stadt Wien, Chronische Krankheiten in Wien, 2004).
Die steigende Prävalenz der Erkrankungen mit zunehmendem Alter und die Chronizität der meisten dieser Krankheiten ergeben auch einen entsprechenden gesundheitspolitischen Stellenwert. Die Folge ist die dauernde Behinderung und letztendliche Pflegebedürftigkeit älterer Menschen.

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Großstadtfaktor Wien –

Demographische, soziale Ungleichheiten bei selbstberichtetem Gesundheitsverhalten, Gesundheitsstatus, Konsum medizinischer Leistungen
Projektteam
Univ.-Prof. Dr. med. Anita Rieder (Projektleitung), Institut für Sozialmedizin der Medizinischen Universität Wien, Schwerpunkt-Expertin Public Health der Wiener Ärztekammer
Mag. Neuwirth, Mag. Schwarz, Dipl.-Vw. Gude, Mag. Geserick
Österreichisches Institut für Familienforschung

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